Zug

Außerplanmäßiger Halt in Göttingen

Verdacht auf Krätze legt Zug mit Flüchtlingen lahm. Am Bahnhof Göttingen musste ein Sonderzug mit etwa 500 Flüchtlingen für über zwei Stunden gestoppt werden. Grund hierfür war der Verdacht auf einen Befall mit Krätze. Drei Flüchtlinge wurden zur Behandlung in ein nahegelegenes Krankenhaus gebracht.

Schnelle Behandlung im örtlichen Krankenhaus

Am Morgen des 23. Septembers musste am Bahnhof Göttingen ein Sonderzug mit etwa 500 Flüchtlingen an Bord angehalten werden. Während der Fahrt wurde das medizinische Pflegepersonal auf eine Frau und ihre zwei Kinder aufmerksam. Diese litten an typischen Symptomen für einen Befall mit der Infektionskrankheit Krätze. Vor allem um eine Übertragung auf weitere Menschen in dem Zug zu verhindern, wurde dann der Notstopp am Bahnhof Göttingen eingelegt. Von dort aus wurde die Familie in das nahegelegene Krankenhaus gebracht, wo sie anschließend erfolgreich behandelt wurde. Danach konnte die Mutter mit ihren zwei Kindern wieder in den Sonderzug zusteigen, der anschließend seine Fahrt weiter fortsetzen konnte. Insgesamt kam es zu einer zeitlichen Verzögerung der geplanten Zugfahrt von etwa zwei Stunden.

Krätze: eine teilweise meldepflichtige Hautkrankheit

Bei der Krätze handelt es sich um eine Hautkrankheit, welche von der Krätzmilbe verursacht wird. Diese Parasiten sind mit ihrer Größe von nur 0,5 Millimetern gerade so mit dem bloßen Auge erkennbar. Die Milben bohren sich in die oberste Hautschicht beim Menschen ein und legen dort ihre Eier und ihre Exkremente ab. Bei Betroffenen treten erste äußerliche Anzeichen, wie etwa Rötungen, Quaddeln oder Blasen, nach einer Zeit von einigen Wochen erstmals auf. Zudem leiden die Personen unter sehr starkem Juckreiz an den betroffenen Stellen. Deshalb kommt es dann vermehrt zu blutigen Kratzwunden und unter Umständen auch zu Furunkeln. Krätze ist infektiös. Sie wird durch Hautkontakt zwischen Menschen übertragen. Der Befall hat, entgegen vieler Vorurteile, nichts mit unhygienischen Verhältnissen zu tun. Vor allem Gebiete, in denen viele Menschen aufeinander treffen, sind von einem Befall leichter betroffen. Neben Schulen und Kindergärten, ist dies eben auch in Flüchtlingsunterkünften der Fall. Bei einem Befall von Angestellten, die beispielsweise im Altenheim arbeiten, muss das zuständige Gesundheitsamt informiert werden.

Nicht der erste akute Befall unter Flüchtlingen

Bereits einige Tage zuvor hat es in einer Unterkunft für Flüchtlinge in Göttingen eine Infektion mit Krätze gegeben. In der ehemaligen Schule waren ebenfalls drei Menschen akut betroffen. Diese wurden auf Anweisung der Stadt sofort in Quarantäne in einer kleineren Unterkunft gestellt, um eine weitere Verbreitung unter den Flüchtlingen und den Helfern zu vermeiden. Auch neun weitere Personen, die Kontakt zu den Erkrankten hatten, mussten zur Vorsorge separiert werden. Damit hielt sich die Verwaltung an die geltenden Gesetze. Diese schreiben bei einem Verdacht auf einen Befall mit Krätze vor, dass alle Betreuungspersonen weder weiteren Umgang mit den Betreuten haben, noch die Unterkunft weiter betreten dürfen. Die Stadt informierte unverzüglich alle Personen, die in dem Umfeld der Unterkunft tätig gewesen waren. Für die betroffenen Flüchtlinge wurde eine besondere Betreuung veranlasst. Hierdurch soll sichergestellt werden, dass der Befall schnellstmöglich zurückgeht. Zu den täglichen Maßnahmen gehört zum Beispiel der tägliche Wechsel von Bettwäsche und benutzten Handtüchern.